
Seit 24 Jahren besteht eine Partnerschaft
zwischen den Kirchenkreisen Lüdenscheid - Plettenberg und
Missenye in Tansania. Alle 2 Jahre findet eine Begegnung statt
- einmal in Tansania, einmal in Deutschland. Dieses Jahr waren
wir an der Reihe uns auf den Weg ins ferne Tansania zu machen.
Neben mir, Jessica Kriegesmann (28, Sozialpädagogin), gehören
noch Pastor Dietmar Auner (50) Plettenberg- Oestertal,
Rosemarie Wach (56, Hausfrau; Eiringhausen) Barbara Berghaus (45,
Krankenschwester; Finnentrop) und Constantin Pantel (20, Student;
Plettenberg Oestertal) der Delegation 2008 an.
1.Juli (Dienstag)
Gegen 10 Uhr werden wir in der Johanneskirche in Eiringhausen
mit Gebet und Segen verabschiedet, bevor wir gemeinsam mit unseren
Familien in den Reisbus nach Frankfurt Flughafen steigen. Unser
Flug startet mit einer Stunde Verspätung um 16:00 Uhr endlich
in Richtung afrikanischem Kontinent - JETZT geht's los!!!! Bin
sehr gespannt

2.Juli
Morgens um 5:Uhr Ortszeit sind wir im ugandischen Entebbe und
werden herzlich vom Superintendenten Matthias Bubelwa, Ma Yulitha
Sewava und Ta Festo Paulo (beide Vorsitzende des Partnerschaftskomitees)
empfangen. Wir sind froh da zu sein, aber todmüde! Nach einigen
Stunden Autofahrt erreichen wir gegen 14 Uhr unser Ziel: Kashozi!
Juchhu!! Wir packen aus, lernen die Pastoren der 4 Kirchenkreisgemeinden
kennen und verbringen den Rest des Tages mit Ausruhen und Einleben.
Ich treffe auch Dawson, den Sekretär des Superintendenten.
Er war 1990 mit einer Delegation in Deutschland und hat eine Woche
bei uns gewohnt. Wir kommen schnell ins Gespräch und merken,
dass sich in den vergangenen 18 Jahren einiges getan hat
ich
meine damals war ich gerade mal 10 Jahre alt!
3.Juli
Die erste Nacht war wirklich prima, habe sehr gut geschlafen.
Leider trifft dies nicht für alle zu. Dietmar hat es am Magen
- wie gut, dass wir diesen Tag noch zum Ausruhen und Einleben
haben. Viele Leute kommen uns begrüßen, wir erkunden
die nähere Umgebung und spielen draußen mit den Kindern
Frisbee und Ball.
4.Juli
Heute statten wir zuerst dem District Commissioner (Landrat) einen
Besuch ab. Danach fahren wir nach Bukoba zum Central Office der
ELCT (Evangelical Lutheran Church in Tanzania) und treffen den
Bischof Elisa Buberwa. Schon morgens auf der Fahrt nach Bukoba
fühlte ich mich nicht so fit. Im Tagesverlauf hat es mich
dann richtig umgehauen, Fieber, Erbrechen
das ganze Programm
- irgendwann erwischt es wohl jeden! Abends trennen sich zum ersten
Mal unsere Wege, alle ziehen in unterschiedliche Gastfamilien
der Gemeinde Ngando um. Ich fühle mich sehr schlapp - möchte
nur noch schlafen- und bleibe noch eine Nacht im Haus des Superintendenten
in Kashozi.
5.Juli
Nach einem Tag Zwangspause geht es mir schon besser und ich kann
mich wieder zu meinen Delegationskollegen, die heute Erntedankfest
in Mugambaizi feierten, gesellen. Der Empfang, der mir dort bereitet
wird, ist schlichtweg überwältigend. Es kommen so viele
Menschen auf mich zu und begrüßen mich, fragen wie
es mir geht und freuen sich, dass auch ich endlich da bin. Pastor
Tito Elias nimmt mich an die Hand. Gemeinsam mit allen anderen
gehen wir singend und klatschend in die Kirche und danken Gott
für meine Genesung. So eine Begrüßung hatte ich
nicht erwartet, ich weiß nicht, ob ich vor Freude lachen
oder weinen soll

6.Juli
Es ist Sonntag und wir feiern unseren ersten Gottesdienst in Tansania
- in der Gemeinde Igayaza. Es ist sehr schön. Dietmar tauft
7 Kinder!!!
Vor dem Gottesdienst besuchen wir noch die Krankenstation von
Igayaza.
Natürlich wusste ich auch vorher, dass man die medizinische
Versorgung in Tansania nicht mit unseren Krankenhäusern vergleichen
kann. Aber es ist doch noch einmal etwas ganz anderes, wenn man
mit eigenen Augen sieht, unter welchen Bedingungen und mit wie
wenig Ausstattung die Ärzte und Krankenschwestern hier arbeiten
müssen. Da fehlen mir einfach die Worte. Die gespendete Kollekte
unserer Kirchengemeinde in Höhe von 200 Euro, die ich beiden
Krankenstationen zur Verfügung stellen konnte, sowie die
Materialspende aus dem Krankenhaus Attendorn, wo Barbara arbeitet,
sind da wohl nur eine kleine Hilfe - ein Tropfen auf den heißen
Stein
Zwei Tage später
erwartet uns in der Krankenstation im ca. 100 km entfernten Bugango
in etwa das gleiche Bild. Beiden Krankenstationen steht zusammen
ein Krankenwagen zur Verfügung. Theoretisch sollen beide
Stationen den Wagen nutzen, praktisch ist dies allerdings aufgrund
der großen Distanz und der hohen Spritpreise von ca. 2200
TZS / pro Liter Diesel (ca. 1,20 Euro) nicht machbar.
7.Juli
Gestern Abend ist die ganze Gruppe nach Kagera Sugar Centre umgezogen.
Heute besichtigen wir zuerst die Zuckerfabrik, anschließend
einige
kleinere Filialgemeinden. Als wir in der Gemeinde Bukanga ankommen,
werden wir von über 300 Menschen herzlich empfangen. Es ist
einfach der Hammer! Als wir aus dem Auto aussteigen, will uns
jeder die Hand geben, es wird gesungen und geklatscht - jetzt
wissen wir wie sich ein Popstar fühlen muss
Am späten Nachmittag brechen wir zur Krankenstation nach
Bugango auf. Hier werden wir die nächsten beiden Tage verbringen
Dort
angekommen, werden wir von den Menschen schon auf der Straße
erwartet. Gemeinsam gehen wir singend zur Kirche. Es ist einfach
nur schön - ich fühle mich wie im Himmel

8.Juli
Heute geht es in die Filialgemeinde Kakunyu- der Weg dorthin ist
lang, wir verlassen zeitweise sogar das Land J
und fahren
ein Stück durch Uganda.
9.Juli
Es ist Mittwoch und wieder Umzug angesagt. Die Gemeinde Kyaka
und Pastor Philbert heißen uns Willkommen. Am Vormittag
besuchen wir die Bunazi Secondary School und treffen Ta Emil Tibaijuka
sowie einige der M.O.S.S. (Missenye Orphans Scholar Ship) Patenkinder,
die hier zur Schule gehen. Constantin hat Fußbälle
für die Schüler im Gepäck - da ist die Freude natürlich
groß!
10.Juli
Heute findet der Bethania -Tag (Frauenhilfe-Tag) in der Gemeinde
Mwemage statt. Da ist was los! Wir beginnen mit einem gemeinsamen
Gottesdienst, anschließend wird den ganzen Tag getrommelt,
getanzt und gesungen. Zur Feier des Tages wurde ein Kuchen gebacken,
den Rosi zusammen mit einer Frau der Bethaniagruppe anschneidet.
Pastor
Philbert und Dietmar "füttern" sich gegenseitig
mit dem ersten Stück als Symbol der Partnerschaft und der
Freundschaft.
11.Juli
Auf das heutige Programm, nämlich den Besuch des ACP (Aids
Control Project), freue ich mich besonders, da es ja auch meinen
Arbeitsbereich als Sozialpädagogin betrifft. Aids und HIV
Infektion sind auch in Missenye ein Thema. Eine Elterngeneration
stirbt weg - zurück bleiben Waisenkinder. Wir besuchen 3
Geschwister, die beide Elternteile aufgrund von Aids verloren
haben. Sie werden durch die Nachbarn und das ACP unterstützt,
ansonsten sind sie auf sich allein gestellt. Dann findet noch
ein Gespräch mit Klienten des ACP statt. Aber irgendwie verläuft
es schleppend
Am Ende des Tages bin ich enttäuscht. Viele meiner Fragen
sind offen geblieben und leider habe ich nicht wirklich eine Ahnung,
wie z.B. ein normaler Arbeitstag aussieht
Schade!
P.S.: An andere Stelle habe ich noch einmal die Gelegenheit mit
Lydia, Mitarbeiterin des ACP, ins Gespräch zu kommen. Wir
tauschen Adressen und wollen uns über soziale Arbeit in Tansania
und Deutschland austauschen. Auf diese Weise können bestimmt
viele der noch offen geblieben Fragen beantwortet werden!!

12.Juli
Wir besuchen heute einige Filialgemeinden von Kyaka, bevor wir
zum Jugendtag nach Kashaba fahren. Wieder ein Tag voll mit Tanz
und Gesang. Auch wir geben beim Tanzen unser Bestes. Außerdem
stellen wir unser schauspielerisches Können unter Beweis
als wir das Gleichnis vom Schalksknecht (Matthäus 18,21-35)
als Anspiel vortragen.
13.Juli
Sonntag Nr.2, heute ist die Delegation im Gottesdienst nicht zusammen.
Während Rosi, Barbara und Constantin mit Pastor Philbert
nach Mushasha fahren, bleibe ich mit Dietmar und Pastor Stanislaus
Kahigwa in der Kirche in Kyaka. Dietmar hält die Predigt
vor fast 400 Leuten, dann dürfen wir noch eine Trauung miterleben,
bevor wir das Abendmahl miteinander feiern. Nach ca. 3 Stunden
ist der Gottesdienst zu Ende. Es folgt die Versteigerung. Ich
bekomme von einer Namensvetterin Passionsfrüchte geschenkt.
Von Jesca - für Jesca! Mein Name ist in Tansania sehr verbreitet.
Wer hätte das gedacht
14.Juli 
Heute findet eine Diskussionsrunde mit dem Partnerschaftskomitee
zum Thema: "Ist der Mensch ein guter Hüter der ihm von
Gott überantworteten Schöpfung?" statt. Abends
geht es zu Pastor Godlove Marco in die Gemeinde Minziro.
15.Juli
Heute geht es in die Minziro Secondary School. Auch diese Schule
wird von einigen M.O.S.S. Patenkindern besucht. Einer der Lehrer
spricht offen ein großes Problem an. Viele Kinder kommen
morgens mit leerem Magen zur Schule. Sie können sich nicht
konzentrieren oder schlafen sogar vor Hunger ein. Ein effektives
Unterrichten bzw. Lernen ist so unmöglich. Rosi hat eine
gute Idee! Man müsste in unserem Kirchenkreis eine Partnerschule
finden, die die Kosten für ein tägliches " Schulfrühstück"
o.ä. übernehmen würde
.
16.Juli
Wir besuchen Filialgemeinden in Minziro und machen einen Abstecher
in den Minziro Forest. Dort sehen wir Hunderte von Schmetterlingen
und sogar Affen - Kumbe!

17.Juli
Es geht zurück in die Gemeinde Kashozi. Wir nehmen die Kashozi
Technical School und das
M.O.S.S.-
Projekt unter die Lupe und bekommen von Ta Emil alles genaustens
erklärt. Kleines Highlight des Tages: Wir können 5 jungen
Frauen, die erfolgreich ihre Schneiderinnenlehre abgeschlossen
haben, eine Nähmaschine überreichen. Das ist in etwa
so, als würde man bei uns eine kleine Firma geschenkt bekommen.
Die Freude kennt natürlich keine Grenzen
schööön!!!
18.Juli
Heute besuchen
wir einige Filialgemeinden von Kashozi. Als erstes sind wir aber
bei der Familie von Juliet Samwel eingeladen. Juliet war mit der
letzten Delegation vor 2 Jahren in Plettenberg und hat zeitweise
bei mir gewohnt. Es gibt ein große " Hallo" und
wir freuen uns sehr über das Wiedersehen!
19.Juli
Es ist Samstag und wir fahren nach Bukoba zu Familie Lugemeleza,
die 6 Jahre in Plettenberg gewohnt hat. Zusammen gehen wir in
Bukoba auf den Markt, machen einen Abstecher zum Victoriasee und
kaufen im Bookshop der ELCT Mitbringsel.
20.Juli
Wir sind wieder umgezogen und wohnen nun wieder im Haus vom Superintendenten,
genau wie am Anfang. Es ist schon ein bisschen wie " nach
Hause kommen". Heute findet der Abschlussgottesdienst statt.
Ich will noch gar nicht an Abschied und Abreise denken

21.Juli
Der heutige Tag ist der Evaluation und Auswertung unseres Aufenthaltes
in Missenye gewidmet. Wir werden offiziell verabschiedet. Zum
Abschluss fassen wir uns alle an den Händen. Pastor Tito
Elias betet mit uns, dann singen wir. Meine Augen füllen
sich mit Tränen, ich beginne zu weinen - Abschied nehmen
ist nicht leicht
22.Juli
Abreisetag - wie schnell doch 3 Wochen vergehen können. Nun
heißt es endgültig "Good - Bye" sagen. Gegen
10 Uhr morgens brechen wir auf in Richtung Uganda zum Flughafen
.
Kwa heri Missenye!
23.Juli
Um 4.35 Uhr Ortszeit heben wir, mit vielen Geschenken, Adressen,
Grüßen und Segenswünschen im Gepäck und den
uns liebgewordenen Menschen im Herzen, ab in Richtung Heimat.
Ich bin unendlich
froh und dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe
nach Missenye zu reisen. Ich werde diese Zeit nie vergessen!
© Jessica Kriegesmann