Unterstützung einer Dispensary - Erfahrungen und Einsichten


Es begann mit dem Blick einer Partnerschaftsdelegation - darunter eine Ärztin - in den Medikamentenschrank einer Dispensary im Partnerkirchenkreis Missenye. Was man dort sah oder besser: nicht sah, ließ sehr bald den Entschluss reifen:

Hier muss etwas getan werden!

 

Der erste Schritt war, dass wir selbstverständlich unsere Reiseapotheke hinterließen, mit den nötigen Erklärungen natürlich. Dabei stellte sich heraus, dass viele unserer modernen Arzneimittel dort nicht bekannt waren und ihre Einsatzmöglichkeiten genauestens erläutert werden mussten. Doch Vorsicht! Bei Kommunikationsschwierigkeiten lauert hier Gefahr für die Patienten! Wieder zu Hause angekommen, wurde Kontakt zu heimischen Ärzten gesucht und nach Ärztemustern gefragt. Die Resonanz war äußerst positiv, doch schon bald wurde klar, dass dieser Weg wenig sinnvoll ist, weil

  1. für die in Afrika am dringendsten benötigten Medikamente in Deutschland nicht über die Abgaben von Ärztemustern geworben wird,
  2. die hier beworbenen Neuentwicklungen dort noch unbekannt sind,
  3. für viele hier gebräuchliche Medikamente in einer ländlichen Dispensary die Einrichtung für notwendige Kontrolluntersuchungen fehlen,
  4. ein Großteil der anfallenden Medikamente auf die Therapie von sogenannten "Wohlstandserkrankungen" zielt und es dafür nur wenig Einsatzmöglichkeiten gibt.

Was - nach Absprache mit dem Medical Assistant - brauchbar erschien und noch mindestens ein Jahr Laufzeit hatte, wurde also heraussortiert (übrigens: wie säckeweise abgelaufene oder nicht benötigte Ärztemuster legal entsorgen ?!), und sogleich stellte sich das nächste Problem heraus:
2x20 Tabletten hiervon, 3x10 Tabletten davon etc. Mit diesen geringen Mengen ist nur in seltenen akuten Fällen eine effektive Therapie zu leisten. Und noch ein weiteres Problem tauchte auf: die Gebrauchsinformationen sind natürlich auf deutsch, allenfalls zusätzlich in Sprachen hier lebender Ausländer, aber ganz sicher nicht auf englisch. Um die Medikamente trotzdem in Tansania einsatzfähig zu machen, wurden in stunden- und tagelanger Arbeit die Gebrauchsinformationen in ihren wesentlichen Zügen ins Englische übersetzt. So etwas muss aber unbedingt einer ÄrztIn oder ApothekerIn mit hervorragenden Englischkenntnissen vorbehalten bleiben, und es muss Sicherheit darüber bestehen, dass man auf der anderen Seite auch wirklich verstanden wird. Sonst bringt die ganze Aktion unter Umständen mehr Schaden als Nutzen. Überspitzt formuliert: "Tod durch Übersetzungsfehler".

Ein Schritt in die richtige Richtung war zweifellos das Angebot aus dem Bekanntenkreis, benötigte Medikamente in größerer Menge zur Verfügung zu stellen, um sie dann einer ausreisenden Besuchergruppe mitzugeben. Die Nachfrage in Tansania ergab: Wir brauchen Antibiotika für Kinder. Die Antwort hier: Kein Problem ! Das tauchte aber dann auf, als die Sendung bei uns angeliefert wurde, kistenweise! Wir waren dann über Wochen und Monate damit beschäftigt, Pakete zu packen und diese sowohl verwaltungsaufwändig (Zollerklärungen, "donation certificates") als auch kostspielig nach Übersee zu schicken, insgesamt 23! Sie sind zumindest alle angekommen und ihr Inhalt hat - nach Auskunft unserer Partner - einer Vielzahl von Menschen geholfen. Ein gangbarer, aber aufwändiger Weg, der zudem entsprechende Beziehungen voraussetzt.

Schließlich fanden wir zu dem heute beschrittenen Weg: Wenn wir heute konkret durch Arzneimittel helfen möchten, so schicken wir die Medikamenten-Liste der Nichtregierungsorganisation ‚action medeor' an die uns verbundene Dispensary in Tansania, lassen die benötigten Medikamente ankreuzen und leiten die Liste anschließend an ‚action medeor' weiter; sie übernehmen den Versand und die Erledigung sämtlicher Formalitäten. Vor allem aber ist gewährleistet, dass nur tatsächlich benötigte und vor Ort bekannte Arzneimittel zu unseren Partnern gelangen und dass diese Hilfe somit ein Maximum an Effektivität erreicht.

Copyright © Dr. Ruth Risch

 

 

Spendenkonto:
Ev. Kreiskirchenamt Iserlohn-Lüdenscheid
KontoNr. 562 / BLZ 458 500 05
Sparkasse Lüdenscheid
IBAN DE17 4585 0005 0000 0005 62
BIC WELADED1LSD
Stichwort: "Missenye-Medikamente"

Damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zusenden können, geben Sie bitte Ihre vollständige Adresse auf dem Überweisungsträger an.