Der
Generalsekretär der Nordwestdiözese (NWD) in der Evangelisch-Lutherischen-Kirche
Tansanias, Godwin Lwezaura, war für einige Tage Gast im Ev.
Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. Er besuchte auch den
Arbeitskreis Partnerschaft Missenye-Plettenberg
und überbrachte herzliche Grüße von Bischof
Elisa Buberwa, den Mitarbeitenden im Central Office in Bukoba,
von Superintendent Mathias Buberwa und vielen Schwestern und Brüdern
aus dem Partnerkirchenkreis Missenye sowie von Familie Prisca
und Edson Lugemeleza, die sechs Jahre in Plettenberg im Oestertal
gelebt hat. Besonders freute er sich, die Delegation
kennen zu lernen und sagte allen ein herzliches Willkommen.
Er berichtete viel Neues aus dem Partnerkirchenkreis Missenye sowie aus der Nordwestdiözese:
1. Zum Kirchenkreis Missenye:
Die Arbeit in Missenye geht gut voran. Superintendent Buberwa ist Gemeindepfarrer in Kashozi, Pastor Kahigwa ist sein Assistent. Es gab genug Regen, es wird eine gute Ernte erwartet (Hauptnahrungsmittel sind Mais, Bohnen und Bananen) Die Kollekten sind gut, sodass die Gehälter der Pfarrer und Evangelisten bezahlt werden konnten. Die Gemeinde Ngando hat mehr als 20 Filialgemeinden in einem Gebiet mit Entfernungen von über 30 Kilometern, sodass sie geteilt werden soll. Man hofft, dass es ab 2009 die neue Gemeinde Bugango geben wird, dass das Pfarrhaus in Bugango bis dahin fertiggestellt werden kann. Er dankt für die Finanzierung des Regenwassertanks am Pfarrhaus. Die Kirche in Kakiri wurde durch ein Gewitter zerstört, es soll eine neu gebaut werden. Die Risse in der Kirche in Kashozi werden breiter (bedingt durch Erdbeben in der Region und den sinkenden Grundwasserspiegel infolge der Dürre 2006), auch hier soll eine neue Kirche gebaut werden. Die Gemeinde Kashozi hat mit der Produktion von Ziegeln für den Kirchenneubau begonnen. Fenster und einige andere Dinge des alten Gebäudes können wiederverwendet werden. In Kyaka sind neue Kirchen in Nyankere A und Kilimilile im Bau; die Kirche in Kilimilile hat bisher nur ein halbes Dach. Da die Gemeinden Missionsgebiet sind, kann die Diözese bei der Finanzierung behilflich sein.
Dispensaries und PPF (Patientenhilfsfonds): Die Arbeit in den Dispensaries geht voran. Wegen der neuen Bestimmungen durch die Regierung (z.B. Anhebung der Löhne für Mitarbeitende im Gesundheitswesen; Schwangere, Kinder und alte Menschen müssen kostenlos behandelt werden) haben sich die katholische und evangelische Kirche in zwei Distrikten (neuer Distrikt "Misenyi" mit Zentrum Bunazi) zusammengeschlossen, um die Regierung um Zuschüsse für die laufenden Kosten der Dispensaries zu bitten. Schließlich hat die Regierung die Pflicht, die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Der Misenyi-Distrikt wird diese Unterstützung gewähren. Der Vertrag ist noch nicht ganz fertiggestellt, wird aber mit Sicherheit bald unterzeichnet. Die AIDS/HIV-Rate in der Kageraregion liegt bei 3,7 % (im Süden Tansanias bei 10-15%). Es gibt Bemühungen zum Aufbau einer Krankenversicherung, allerdings kann sich nur versichern, wer in einem Beschäftigungsverhältnis steht.
M.O.S.S. (Schülerstipendienfonds Missenye): Pastor Christopher Mbuga (Stellvertreter des Generalsekretärs) und Treasurer Justone Rwiza sind Mitglieder im M.O.S.S. Komitee. Viele Jugendliche wurden bisher durch M.O.S.S. gefördert, viele haben eine gute Arbeitsstelle gefunden oder sind jetzt selbständig. Sie arbeiten als Lehrer, Ärzte, Handwerker, Schneiderinnen und bei der Energieerzeugung (Biogas); z. Zt. werden 83 Jugendliche durch M.O.S.S. gefördert. Der Dank gilt den Pateneltern in Deutschland, die durch ihren Beitrag den Fortbestand des Projektes sichern und damit jungen Menschen aus unserem Partnerkirchenkreis eine qualifizierte Schul- bzw. berufliche Ausbildung ermöglichen. Der Leiter des Projekts, Emil M. Tibaijuka, kann noch zwei Jahre für das M.O.S.S. Projekt arbeiten, dann geht er in den Ruhestand. Die Diözese wird einen geeigneten Nachfolger aussuchen.
Die Kosten für die Nutzung eines
Autos sind in die Höhe geschnellt durch die Anhebung von
Steuern und Versicherung von 25.000 TSh (1 Euro = momentan ca.
1.850 TSh) auf 325.000 TSh im Jahr 2007. 1 l Treibstoff kostet
1.980 TSh. Es entsteht eine Kilometerpauschale von TSh 735, die
von allen bezahlt werden muss. Darum fahren die Pfarrer mit öffentlichen
Verkehrsmitteln oder mit dem Motorrad. Für die Krankentransportkosten
soll die erwartete Unterstützung durch den Distrikt verwendet
werden.
In Missenye gibt es bereits eine Kleinkreditgenossenschaft
= SACCOS (Savings- and Credit Co-operative Societies). Sie ist
eine der besten innerhalb der NWD, Emil Tibaijuka ist der Leiter.
Das Maismühlenprojekt in Kashozi hat Erfolg.
Vom Gewinn wurde eine Maschine zum Schälen von Kaffeekirschen
gekauft. Die Mühle gehört dem Kirchenkreis und arbeitet
sehr gut, beide Maschinen bringen Einkommen für den Kirchenkreis.
2. Zur Diözese:
Hauptaufgabe der Nordwestdiözese
ist die Verkündigung des Evangeliums. Das bedeutet aber gleichzeitig
sich um die Grundbedürfnisse der Menschen zu kümmern,
um Gesundheitsvorsorge, Bildung und Ausbildung, um diakonische
und soziale Aufgaben. Zur NWD zählen 258 Filialgemeinden.
Im Jahr 2007 gab es 6.500 Taufen. Die Diözese betreibt vier
Schulen, je zwei Primary- und Secondaryschulen. Die Grundschule
(Primary School) dauert sieben Jahre. Die weiterführende
Schule (Secondary School) umfasst 6 Schuljahre und ist in zwei
Stufen gegliedert: die lower Secondary School (vier Jahre) und
die upper Secondary School (zwei Jahre). Nach erfolgreichem Abschluss
der Sekundarstufe II ist der Besuch einer Universität oder
einer weiterführenden berufsbezogenen Schule möglich.
Der Besuch einer Primary School ist kostenlos (es fällt KEIN
Schulgeld an, wohl aber Kosten für Schulmaterial und -kleidung).
Das Schulgeld an staatlichen Sekundarschulen beträgt 20.000
TSh /Jahr bei tägl. Besuch und 70.000 TSh /Jahr für
Internatsschulen, hinzu kommen die Kosten für Schulmaterial
und Kleidung. Der Lehrermangel im Land ist enorm, es fehlen insgesamt
45.000 Lehrer für Primary- und 50.000 für Sekondaryschulen.
Aber: Alle Kinder in der Kageraregion, die aufgrund ihrer Noten
eine Sekundarschule besuchen dürfen, können auch eine
besuchen! Die NWD betreibt ferner u.a. ein kirchliches Lehrercollege,
die Handwerkerschule in Kashasha, die Landwirtschaftsschule in
Igabiro, eine Krankenpflegeschule in Ndolage, die Bibelschule
in Ruhija mit Kunst- und Musikakademie, ein Heim für behinderte
Menschen in Igabiro, in Ntoma ein Waisenhaus und eine Diakonissenschule,
es gibt das HUYAWA-Projekt für AIDS-Waisen, ein Straßenkinderprojekt
u.v.m. Einkommenschaffende Projekte der Diözese sind u.a.
das Bukoba Hotel, Majirani mwema (= Bookshop, Cafe und Bürovermietung)
sowie die ELCT-Garage (Autowerkstatt).
Alle Pfarrer in der NWD haben mittlerweile ein Motorrad (Unterstützung
durch den Motorradfonds der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) , das
nach und nach abgezahlt werden muss. Es ist geplant, pro Jahr
4 neue Motorräder anzuschaffen. Der Dank der NWD geht an
die VEM und die Partnerschaften, die dies möglich gemacht
haben.
Haupt-Problem im ganzen Land sind die gestiegenen Preise für Benzin und Diesel. Davon betroffen ist die gesamte Wirtschaft, die Lebenshaltungskosten sind sehr gestiegen.