Berichte
Beide Partnerschaftskreise haben es sich zur Aufgabe gemacht, in drei Berichten die bisherigen Erfahrungen der Partnerschaft zu reflektieren. Diese Berichte wurden auf der Jubiläumstagung vorgetragen und diskutiert.2. Projekte in der Partnerschaft aus deutscher Sicht von Jutta Tripp
"Partnership is more than projects", aber in einer langen gewachsenen Beziehung in zwanzig Jahren Partnerschaft gibt und gab es eine Vielzahl an Projekten.
Das für mich wichtigste Projekt ist die Begegnung der deutschen und tansanischen Christen und Christinnen gemäß Johannes 17,21: "...auf dass sie alle eins seien." Da-mit Partnerschaft wächst und sich entwickeln kann, sind gegenseitige regelmäßige Besuche unbedingt erforderlich, denn nur so können wir einander sehen, einander verstehen, einander beistehen und füreinander einstehen.
Zurückschauend möchte ich diese Menge an Projekten in zwei große Gruppen unterteilen: Dauerprojekte und Einzelprojekte und Nothilfe.
a. Dauerprojekte
Ende 1996 zog sich die Kindernothilfe Duisburg aus Tansania zurück. Seitdem ermög-lichen Spender und Spenderinnen überwiegend aus dem Ev. Kirchenkreis Lüden-scheid-Plettenberg mittellosen (Waisen)-Kindern den Schulbesuch bzw. eine berufliche Ausbildung. Er übernimmt die Kosten für Lebensunterhalt, Schulgeld, Unter-richtsmaterialien und Schulkleidung sowie für die medizinische Betreuung. Dem Stipendienfonds Missenye (M.O.S.S.) ist eine berufliche Ausbildungsstätte für Schreiner/innen und Schneider/innen angegliedert. Die Einrichtung befindet sich in Kashozi, dem kirchlichen Zentrum von Missenye. Die Leitung dieses Projektes hat Emil M. Tibaijuka, ein von der Diözese angestellter Sozialarbeiter. Den Vorsitz über das M.O.S.S.-Komitee führt der Superintendent des Kirchenkreises Missenye. Zur Zeit werden mit 20,45 Euro je Monat über 50 Kindern und Jugendlichen eine Ausbildung durch Patenschaften ermöglicht.
Seit Anfang der 90er Jahre wird die kirchliche Krankenstation in Missenye mit Medi-kamenten und durch den Poor Patients´Fund (PPF), den Hilfsfonds für mittelose Pati-enten, unterstützt. Im Frühjahr 2001 wurde in Bugango eine zweite Krankenstation eröffnet, wodurch sich die Anzahl der Patienten verdoppelte. Durch den PPF werden Behandlung und Medikamente für Patienten bezahlt, die diese Kosten nicht selber aufbringen können. Für deutsche Verhältnisse kann schon mit einem relativ geringen Beitrag kranken Menschen geholfen werden.
Bis 2004 konnte man in Deutschland bei den Kommunen Geld für Projekte beantra-gen, die zur Entwicklungsförderung der Staaten in Übersee beitragen. Viele Gemeinden im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg haben das viele Jahre lang für Missenye getan, um damit wichtige Entwicklungsförderung in Tansania anzuregen. So wurde ein Regenwassersammeltank damit gebaut und dazu beigetragen, Elektrizität in die Bunazi Secondary School Schule zu bringen, dort eine Bibliothek auszustatten und eine Laborausrüstung anzuschaffen. Leider wird es diese Kommunalgelder aber in der Zukunft nicht mehr geben.
b. Einzelprojekte und Nothilfe
Ganz zu Beginn der Partnerschaft war das erste Projekt die Lieferung von Stoff für Paramente, Wolle, Plastikgeschirr und Schreibwaren mit Hilfe eines Containers von Bethel nach Bukoba. Es wurden Fahrräder für die Evangelisten angeschafft, damit diese schneller die Wegstrecken zurücklegen konnten.
Dann gab es mehrere Projekte, damit das Einkommen der Frauenhilfen verbessert werden konnte: So kam es für die Bethania-Gruppen zur Maisanpflanzung in Kashozi, 200 Eukalyptusbäume wurden in Kyaka gepflanzt, in Ngando wurden vier Schweine und vier Ziegen und in Minziro vier Schweine angeschafft, damit die Jungtiere weiter gegeben werden konnten. Mehrere Regenwassersammeltanks wurden errichtet, damit mehr Wasser zur Verfügung steht. Unzählige Pakete mit Brillen und Medikamenten wurden nach Missenye geschickt. Mechanische Schreibmaschinen wurden nach Missenye geschickt, damit die Kommunikation einfacher wurde und auch das Tastenschreiben erlernt werden konnte. Die Finnentroper Kirchenglocke kam nach Missenye und verrichtet bis heute ihren Dienst. Es wurde in die Aus- und Weiterbildung der Evangelisten investiert. Die Bugango Dispensary wurde mit einem größeren Betrag für die Ausstattung unterstützt. Drei Häuser wurden im Laufe der Zeit in Missenye gebaut: das Doppelschwesternhaus in Kashozi, das Pfarrhaus in Ngando und das Haus des District Pastors.
Bei der Flutkatastrophe 1998 in Missenye wurde eine spontane und umfangreiche Hilfsaktion durch den Ev. Kirchenkreis Plettenberg möglich, damit die Menschen in Missenye eine Hoffnung auf gesichertes Weiterleben hatten.
Zwei Autos wurden für Missenye gekauft, ein Auto für den District Pastor und ein Ambulanzfahrzeug, damit die ärztliche Versorgung besser gewährleistet werden konnte. Bei der Anschaffung des Krankenwagens, der seit letztem Jahr in Gebrauch ist, wur-den auch noch Sprechfunkgeräte mit Solarbetrieb ausgerüstet und mit angeschafft, damit die Krankenstationen sich besser verständigen können. Die Gesamtschule aus Werdohl erlief mit den Schülerinnen und Schülern in einem Sponsorenlauf Geld, das für ein großes Aufforstungsprojekt der Minziro Secondary School und der Bugango Dispensary bestimmt war.
Darüber hinaus gab es noch eine Vielzahl an anderen kleinen Projekten und Hilfsmaßnahmen, aber ich möchte die Aufzählung hiermit schließen.
Zum Schluss möchte ich noch einmal herausstellen, dass die Begegnung der deutschen und tansanischen Christen und Christinnen das wichtigste Projekt ist. Projekte entstehen erst durch die gegenseitige Begegnung der Partner, in der die Not ein Gesicht bekommt und konkrete Hilfsmöglichkeiten wahrgenommen werden. Deshalb ist es überaus wichtig, dass bei allen Überweisungen von Spenden nach Tansania auch die Spenden aus Missenye bestätigt werden, sobald die Gelder angekommen und dem Zweck entsprechend verwendet worden sind. Bei großen Projekten ist es auch wichtig, dass Fotos und Dokumentationen die Entwicklung der Projekte zeigen. Zum einen ist es der Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg den Spendern und Spenderinnen schuldig, die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel zu zeigen und zu dokumentieren. Zum anderen wirkt dieses Vorgehen einer Entmutigung der Spender und Spenderinnen entgegen. Vielfach wird nämlich nachgefragt, was die Projekte machen. Damit weiterhin Projekte möglich sind und werden, ist auch die Begegnung der Delegationsmitglieder, die in Tansania und Deutschland waren, in den Gruppen und Kreisen der Gemeinden notwendig.
"Partnership is more than projects, I vote for meeting each other."aus tansanischer Sicht von Evangelist Wilson Wilbard
Der Psalmist erinnert uns in Ps 24,1 daran, dass alles, was wir haben, dem Herrn gehört. Die Menschen nehmen das als Geschenk und Segen Gottes an. Dieser Segen soll uns zu guten Verwaltern machen. Ein guter Verwalter ist jemand, der empfängt, bewahrt, treu nutzt und am Ende Rechenschaft ablegt.
Hier folgen die Projekte im Kirchenkreis Missenye, die wir mit unseren Geschwistern in Plettenberg durchführen. (+ sind Erfolge, - sind Probleme)
1. M.O.S.S.
+ Wir konnten durch das Projekt der ganzen Gesellschaft dienen. Es wurde keine Unterscheidung nach Religion oder Geschlecht vorgenommen. Vielen Menschen konnte geholfen werden. Arme Familien und Waisenkinder erhielten Unterstützung bei der Finanzierung des Schulgeldes. Durch diese Bildung ist auch das spätere Einkommen der Einzelnen und der Kirche gesichert.
- Dieses Projekt hilft nur einem Teil der Bedürftigen. Es gibt noch viel mehr Menschen in der Gesellschaft, die Hilfe benötigen.
2. Bauleistungen
+ Viele Häuser wurden im Kirchenkreis gebaut, viele wurden renoviert.
- Es werden noch mehr Gottesdienstgebäude benötigt.
3. Wasserversorgung
+ Es wurden viele Wassertanks gebaut, von denen viele Menschen profitieren.
- Das hat nicht alle Bedürftigen erreicht. Es gibt immer noch zu wenige Wassertanks. Das gesammelte Wasser reicht nur für kurze Zeit, weil viele Menschen Wasser benötigen.
4. Stromversorgung und Aufforstung
Diese Projekte haben gerade erst begonnen. Es gibt noch keine Auswertung darüber.
Die Erfolge
Ø Die Lebensverhältnisse in den Gemeinden sind verbessert und angeglichen worden.
Ø Das Teilen und Zusammenarbeiten mit Menschen aus anderen Regionen ist gestärkt worden.
Ø Alle Gemeindegruppen sind beteiligt.
Projekte, die nicht gelungen sind
Projekte für Jugendliche und die Schweinezucht sind erfolglos geblieben. Es ist wichtig, die Gründe hierfür zu erforschen.
Jesus lobte diejenigen, die ihre Talente vermehrt haben, indem er sagte "Du warst treu über das Wenige. Ich will Dir mehr geben." Mt 25,23. Gott möge uns helfen, unsere Talente treu einzusetzen.