Berichte


Beide Partnerschaftskreise haben es sich zur Aufgabe gemacht, in drei Berichten die bisherigen Erfahrungen der Partnerschaft zu reflektieren. Diese Berichte wurden auf der Jubiläumstagung vorgetragen und diskutiert.

3. Stärken und Schwächen unserer Partnerschaft aus tansanischer Sicht von Jeniva Gozibert


Ich begrüße Sie alle im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Ich bin Jeniva Gozibert aus der Gemeinde Kashozi. Ich bin gebeten worden, über die Stärken und Schwächen der Partnerschaft zu berichten.
Mein Verständnis des Wortes "Partnerschaft" ist gleichbedeutend mit "udugu" auf Suaheli und "obuzare" auf Luhaya. Partnerschaft ist die Beziehung, die uns in Einheit mit Christus bringt, wie wir im Johannesevangelium lesen "damit sie alle eins seinen" (Joh 17,21).
In der Partnerschaft gibt es Vorteile, die wir als Stärken wahrnehmen, aber auch Nachteile, die wir als Schwächen in der Partnerschaft erkennen. Jetzt werde ich mehr über unsere Partnerschaft zwischen den Kirchenkreisen Kaskazini B (Missenye) und Lüdenscheid-Plettenberg (Plettenberg) berichten.
Vorteile/Stärken
Unsere Partnerschaft hat viele Vorteile und Stärken. In aller Kürze möchte ich nur einige darstellen:
1. Die Beziehung mit Fremden / Gästen
Wegen der Partnerschaft sind die Plettenberger nicht mehr unsere Gäste, sondern ein Teil unserer Familien. Wir teilen vieles und profitieren voneinander als Geschwister im Herrn. Wir stehen beieinander in der Freude, aber auch in der Trauer. Ich nenne zum Beispiel die Arbeit von M.O.S.S., in der die Waisenkinder betreut werden. Ich denke auch an die Fürbitten, die wir immer wieder in den Gottesdiensten für die Geschwister in Plettenberg halten. Das ist ein Zeichen, dass wir nicht nur Freunde, sondern auch Geschwister sind.
2. Unsere Familie als Christen wird größer.
Durch diese Partnerschaft sehen wir die Einheit der Christen der ganzen Welt, wie wir sie im Glaubensbekenntnis bekennen. Die Christen aus Plettenberg sind Teil unseres alltäglichen Lebens in Missenye. Über sie werden die Gemeinden in den Gottesdiens-ten bei den Abkündigungen informiert. Das erleben wir auch, wenn die Gäste bei uns zu Besuch sind. Wir spielen zusammen, wir essen zusammen, tragen die gleiche Kleidung und lernen voneinander. Wir profitieren auch aus der Tradition unserer Geschwister. Ein gutes Beispiel dafür ist das "Sifuni-Buch", das Familie Lugemeleza gemeinsam mit deutschen Christen zusammengestellt hat. Die Lieder sind aus unserer Tradition hier in Tansania, sie werden heute aber auch bei unseren Geschwistern in Deutschland eingesetzt, um Gott zu loben.
3. Die Partnerschaft baut Ängste ab
Bei vielen Menschen haben sich mit der Zeit verschiedene Ängste aufgebaut. Viele haben gedacht, dass die Tansanier aus ihrer Situation heraus nicht in Beziehung zu Deutschen treten können aufgrund der Verschiedenheit der Lebenssituationen. Sie haben gedacht, dass die Deutschen nicht bei Tansaniern übernachten, nicht mit ihnen essen und sie nicht ihre Kleidung tragen können. Die Deutschen glauben auch, dass Krankheiten wie zum Beispiel Malaria für sie gefährlich sein können. Aber die Partnerschaft baut diese Ängste ab, stärkt die Einheit und die Liebe untereinander.
4. Partnerschaft erhöht die Sprachkompetenz
Wenn wir hören, wie Deutsche Suaheli und Luhaya sprechen und wie sich Tansanier mit Deutschen in deren Muttersprache unterhalten, so ist das ein Zeichen von Partnerschaft. Dies ist ein Schritt, der uns hilft, die Sprache unserer Partner zu lernen. Aus dieser Stärke heraus können wir auch heute unsere Klausurtagung in Deutsch und Suaheli durchführen.
Unsere Partnerschaft ist von unserem Herrn Jesus Christus selbst gegründet, als er gesagt hat, dass sie alle eins sein sollen. Diese Einheit darf nicht zerstört werden. Das Wichtigste in der Partnerschaft ist die freundschaftliche Offenheit, auch über Schwächen zu reden, um diese gemeinsam zu überwinden.
Nachteile / Schwächen
1. Einsatz der Delegationsmitglieder nach der Rückkehr

Für mich ist es eine große Schwäche, wenn die Leute, die unseren Partnerkirchenkreis besucht haben, nach der Rückkehr keine Zeit haben, weiterzugeben, was sie in die-ser Zeit gelernt haben, damit auch alle Kirchenkreismitglieder davon profitieren können. Am Ende wird dieser Besuch oft als privater Besuch angesehen. Ich schlage vor die Delegationen nach der Rückkehr dafür einzusetzen, dass die Partnerschaft in unserem Kirchenkreis gestärkt und vertieft wird.
2. Bericht über die guten und schlechten Seiten der Partnerschaft
Die Partnerschaft fordert uns auf, sowohl die guten Dinge, als auch die nicht so guten Dinge von unserem Partner zu erfahren. Wir hören selten etwas über die Probleme unserer Geschwister in Plettenberg. Daher schlage ich vor, dass wir in unserer Partnerschaftsarbeit auch darüber etwas erfahren.
3. Auswahl der Delegationsmitglieder
Die Delegationsmitglieder sollen mehr über ihre Mitarbeit in der Partnerschaft aus-gewählt werden und weniger über ihre Position im Kirchenkreis. Die Auswahl soll also nicht aufgrund des Amtes, sondern nach dem jeweiligen Einsatz für die Partnerschaftsarbeit erfolgen.
Abschließend möchte ich mich für die Aufmerksamkeit bedanken.

aus deutscher Sicht von Dörthe Jung


Stärken:

Unsere gemeinsame Grundlage ist unser Glaube an den dreieinigen Gott, wie er in der Bibel verkündigt wird. Das Wissen, als seine Geschöpfe eine Einheit zu bilden, ist für mich die größte Stärke der Partnerschaftsarbeit. Sich von ihm her zu verstehen, macht die christliche Partnerschaftsarbeit erst sinnvoll.
Aus dieser Grundlage ergibt sich die Überzeugung, dass alle Menschen vor Gott gleichwertig sind, unabhängig von Kultur, Status und Leistung. Dies kann in der Partnerschaft immer neu wichtig und erlebbar werden.
Zwar entstammen wir aus unterschiedlichen kirchlichen Traditionen und Prägungen, doch verstehen wir diese Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance zum Lernen voneinander. Eigene Strukturen können im Vergleich mit den jeweils anderen neu hinterfragt und gegebenenfalls korrigiert werden. Diese Möglichkeiten blieben ohne die Partnerschaft aus - und es bestünde die Gefahr, zu erstarren und sich nicht immer neu gestalten zu können. Wir sind mit unseren Schwierigkeiten nicht allein. So könnten wir uns beispielsweise gegenseitig beraten, was gegen kleiner werdende Gemeinden zu tun ist - ein in Deutschland immer größer werdendes Problem.
Wie unterschiedlich gelebter Glaube aussehen kann, wird jedem klar werden, der an der Partnerschaft der beiden Kirchenkreise mitwirkt. Dadurch erweitert sich der Hori-zont jedes Einzelnen, aber auch einer ganzen Gemeinde und im besten Fall eines ganzen Kirchenkreises. Die Arbeit der Kirchenkreise hat wiederum Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Somit zieht die Partnerschaftsarbeit weite Kreise, die viel-leicht zuerst nur im Verborgenen wirken, aber auch oft sichtbar werden. Deutlich wird das zum Beispiel an der Bereitschaft der Kommunen, für unsere Arbeit Gelder bereitzustellen. Auch die positiven Presseberichte tun ihr eigenes dazu.
Schon seit Beginn der Partnerschaft zeichnet sich ein stetiger Abbau von Berührungsängsten in unseren Gemeinden ab. Gäste aus Missenye sind in unseren Gemeinden stets gern gesehen. Es gab immer viele Familien, die gerne einen Gast auf-nehmen wollten, und es gab meist mehr Einladungen an die Delegationen aus den Gemeindegruppen als zu bewältigen war. Wir konnten uns von Jahr zu Jahr besser in das Leben der Menschen in Missenye hineinversetzen und bekamen neue Kenntnisse über die Gemeinden. Dies stellt einen wertvollen Fundus an Erfahrungen dar, auf den immer wieder zurückgegriffen werden kann und der anderen zugänglich gemacht werden muss.
Schwächen:
Trotz vieler Bemühungen auf beiden Seiten kommt es manchmal zu Kommunikationsproblemen. Damit ist gemeint, das Gesagtes anders verstanden wird als es ge-meint war, was sicher an der unterschiedlichen Sprache wie auch der unterschiedlichen Redetradition liegt. Auch kam es in der Vergangenheit vor, dass Briefe nicht ankamen. Ich sehe in der Benutzung des Computers neue Chancen, mehr und schneller miteinander zu kommunizieren. Auch ist die Gegenwart eines Dolmetschers oft sehr wertvoll, da vieles in der Muttersprache besser ausgedrückt werden kann als in einer erlernten Sprache.
Zwar ruht die Partnerschaftsarbeit inzwischen schon auf vielen Schultern, doch sind immer noch viele Kontakte an einzelne Personen gebunden. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass in Missenye die Pfarrer oft wechseln, so dass eine Kontinuität nur schwer herzustellen ist. Hier müssen beide Seiten an einer Verbesserung arbeiten und einen Weg finden, über Jahre hinweg mit den gleichen Ansprechpartnern zu kom-munizieren. Der auf beiden Seiten existierende Arbeitskreis für Partnerschaft ist da ein wichtiges Bindeglied.
Im persönlichen Umgang miteinander bereiten uns oft noch unsere unterschiedli-chen Kulturen Schwierigkeiten. Es gibt unterschiedliche Ausdrucksformen für Freude und Trauer. Wir gehen anders mit Tod um. Familie hat einen unterschiedlichen Stel-lenwert. Der Umgang mit Besitz ist ein anderer. Diese Unterschiede wurden meines Erachtens noch zu wenig thematisiert.
Aus der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation unserer Kirchenkreise ergibt sich auch das Problem des Gebens und Nehmens. Wir müssen meiner Meinung nach in Zukunft mehr darüber nachdenken, was jeweils genommen und gegeben werden kann. Das alte Schema von Reichtum und Armut ist nicht mehr angemessen, denn es geht ja um ein gleichberechtigtes Miteinander - Partnerschaft und nicht Patenschaft! Obwohl die finanziellen Mittel ungleich verteilt sind, gibt es doch die Möglichkeit des gleichberechtigten Gebens und Nehmens, abseits des Geldes. Deshalb müssen Erwartungen jeglicher Art klar ausgesprochen und Wünsche laut gedacht werden können, ohne dass dies der Partnerschaft Schaden zufügt. Nur so kann die Partnerschaft wachsen und zum Wohle aller Menschen in Missenye und Lüdenscheid-Plettenberg fortbestehen.