Zehn Thesen zu 20 Jahren Partnerschaftsarbeit

Pfarrer Uwe Brühl, Ursula Büsing und Dr. Ruth Risch haben in Vorbereitung auf die Evaluation der Partnerschaftsarbeit zehn Thesen formuliert, die in verdichteter Form die wichtigsten Erfahrungen und Einsichten wiedergeben. Sie wurden auf der Jubiläumstagung vorgestellt und gemeinsam mit den Berichten diskutiert.

1. Partnerschaft ist für uns verbindliche Teilhabe an der weltweiten Gemeinschaft der Christen
Mit Gründung der Partnerschaft im Jahr 1984 hat die weltweite Gemeinschaft der Christinnen und Christen für uns ein identifizierbares Gegenüber bekommen. Weltweite Gemeinde Jesu Christi begegnet uns seither nicht nur abstrakt, nicht nur in alsbald vergessenen Einzelschicksalen sondern in Kindern, Frauen und Männern aus Missenye.
2. Partnerschaft hat uns bereichert.
Die Partnerschaftsarbeit hat Christinnen und Christen und die Gemeinden in Mis-senye stark in unser Bewusstsein gebracht. Die Menschen sind uns Geschwister, deren Schicksal uns bewegt. Nachrichten aus Missenye nehmen bei den Zusammenkünften des Arbeitskreises Partnerschaft einen weiten Raum ein.
3. Partnerschaft braucht Kontinuität.
Regelmäßige Delegationsbesuche sind für einen lebendigen Austausch zwischen unterschiedlichen Partnern unabdingbar. Dennoch erfordern künftige Besuche inhaltliche Schwerpunkte bzw. eine programmatische Ausrichtung, um einer Ermüdung in der Partnerschaft vorzubeugen. Schwerpunkte und Programme brauchen dabei den Charakter gemeinsamer Aufgaben ("united in mission"), um nicht als bloße Beschäftigungstherapie missverstanden zu werden. Dabei müssen wir uns gegenseitig fragen: Was wollen unsere Partner von uns (thematische Ausrichtung und daraus folgende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Delegationen)?
4. Partnerschaft braucht Kommunikation
Kommunikation auf breiter Basis ist nötig (d.h. möglichst viele Leute sind zu beteiligen). - Welche Möglichkeiten zur Kommunikationsverbesserung gibt es? (z.B. Englischkurse für Evangelisten, weil sie anders als die Pfarrer ein Kontinuum im Kirchenkreis und in den Gemeinden und hier vor allem in den congregations sind.)
5. Partnerschaft braucht regelmäßigen Austausch
... über Gebetsanliegen und zu Themen wie Gerechtigkeit, AIDS, Gewalt, Probleme der Globalisierung und ihre grass root level-Bedeutung. Hilfreich wäre ein Jahres- oder Halbjahresbericht zum Leben und zur Arbeit im Kirchenkreis an die Partner.
6. Partnerschaft braucht Multiplikation
Frage an die Rolle der Delegationsmitglieder: Von Delegationsmitgliedern erwar-ten wir auf beiden Seiten, dass sie ihre Erfahrungen weitergeben und so den Partnerschaftsgedanken und die spezielle Partnerschaftsarbeit weitertragen.
7. Partnerschaft(sbesuch) hat Folgen
Ein Besuch nur unter dem Gesichtspunkt: "gut dass wir uns mal wieder gesehen haben" bleibt ohne Auswirkungen. Partnerschaftsbesuch hat Folgen: "Einander verstehen. Die Sensibilität füreinander schärfen, ein Lernprozess, der nur durch persönliche Begegnung gefördert werden kann. Einander beistehen. Im Gebet, im gegenseitigen Zuspruch, vielleicht auch in gegenseitiger Ermahnung, im Lernen voneinander, bei der Bewältigung von Aufgaben, wo nötig, auch mit materieller Hilfe." (Partnerschafts know how, S. 13 und Ausführungen von Dr. Ruth Risch*)
8. Partnerschaft ist mit Erwartungen verknüpft
Was erwarten wir von den Partnern in Missenye? Die Menschen in Missenye können sich ihrer selbst bewusst sein und brauchen sich aufgrund ihrer Fähigkeiten nicht zu verstecken. Sie müssen wissen, dass sie für uns mehr sind als Hilfeempfän-ger oder folkloristische Rahmung. Sie sind unsere Geschwister (ndugu)! "… auf das sie alle eins seien" (Joh 17, 21) ist Ursprung, Boden und Ziel der Partnerschaft (vgl. 1. Kor. 12, 12-27). Und was erwarten unsere Partner von uns?
9. Partnerschaft bedeutet fortlaufende Entwicklung und gemeinsames Lernen
"Partnerschaftliche Beziehungen setzen voraus, dass die Partner sich kennen und den festen Willen haben, sich umeinander zu bemühen." (Dr. Ruth Risch - in: Fragen an Ruth Risch - für die Arbeit von Edson Lugemeleza, unter 1.)
(Nach Mk 16, 7: Geht wieder nach Galiläa, kehrt also zurück an den Ort eurer Begegnung mit Jesus, auch wenn ihr mit eurem Latein am Ende seid: Dort werdet ihr Jesus sehen, und geht wieder und wieder mit ihm und gemeinsam auf seinem Weg.)
10. Partnerschaft ist wesenhaft auf Offenheit angelegt
Die Partner müssen in einem Vertrauensverhältnis zueinander stehen, das ehrliche Offenheit von beiden Seiten zulässt, ohne dass befürchtet werden muss, die Offenlegung von Problemen schade der Partnerschaft.